Holzbuntstifte

Grundschulmarketing – Ein strittiges Thema

Werbung in Grundschulen ist zu Recht ein heiß diskutiertes und kontroverses Thema. In einigen Bundesländern, Städten und Kommunen ist – auch dank knapper Kassen – der Einfluss der Wirtschaft auf den Schulalltag nicht mehr wegzudenken. Andere Regionen stellen sich vermehrt gegen Grundschulmarketing. Doch was sind die eigentlichen Ziele der Werbetreibenden? Und wie unterscheiden Eltern zwischen sinnvoller und unsinniger Werbung?

Die Schüler als Zielgruppe

Bereits seit einigen Jahren gelten Schüler als Zielgruppe für Unternehmen, Agenturen und Verbände. Von klassischer Produktwerbung bis hin zu Informationskampagnen findet man heutzutage (leider) alles an deutschen Schulen. Dabei gibt es spezialisierte Agenturen, welche sich nur dem Thema Schulmarketing angenommen haben. Diese Firmen bieten der Wirtschaft einen Weg in die Schulen und vermarkten Schulkontakte ganz offensiv. Wie in fast jeder Branche gibt es auch hier schwarze Schafe. Einige dieser Firmen haben sich auf pädagogische Inhalte und Nachwuchsgewinnung spezialisiert. Andere Unternehmen wollen den Marketingabteilungen von großen Getränkeherstellern oder Süßwarenproduzenten ganz großzügig die Türen öffnen. Eltern schauen hier meist machtlos zu, da die Benachrichtigung über eine Kampagne erst dann bei den Eltern ankommt, wenn die Materialien (wie z.B. Flyer) schon lange unter den Schülern verteilt wurden. Hier sind engagierte Lehrer und Schulleitungen gefragt, welche die Inhalte im Vorfeld selektieren und nur lehrplankonforme Medien zulassen.

Ein gutes Beispiel sind dafür z.B. einige Automobilhersteller. So werden z.B. Unterrichtsmaterialien für den Physik-Unterricht erstellt, welche mit namhaften Verlagen publiziert und den Schulen kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Die Unternehmen werben in solchen Broschüren sehr zurückhaltend und nutzen beispielsweise ihre Automodelle als grafische Darstellung. Besonders in Grundschulen häufen sich jedoch Kampagnen in denen Firmen durch scheinbar harmloses Produktplacement versuchen die Schüler zu manipulieren. So entstehen z.B. fragwürdige Malhefte oder bedenkliche Sticker-Sammelalben. Doch was können Lehrer und Eltern hier tun?

Lehrer:

  • Prüfen Sie vor der Verteilung von Gratis-Artikeln genau den Absender der Werbung.
    Manchmal verstecken sich hinter scheinbar harmlosen Namen bedenkliche Botschaften undKonzerne.
  • Holen Sie sich Rat von Eltern und dem Kollegium ein. Diskutieren Sie die Inhalte von
    kostenlosen Malbroschüren oder Hausaufgabenheften.
  • Rufen Sie die Absender an und lassen Sie sich die Hintergründe der Kampagne genau erklären.

Doch vor allem: Bleiben Sie kritisch.

Eltern:

  • Gründen Sie Arbeitsgemeinschaften, welche vor jeder Verteilung die Materialien prüfen.
  • Recherchieren Sie im Internet nach ähnlichen Kampagnen.
  • Sprechen Sie im Elternbeirat über die Materialien.
  • Stellen Sie klare Regeln für Werbung in der Schule auf.

Grundschulmarketing ist nicht die Wurzel alles Bösen. Es gibt durchaus Konzepte und Kampagnen, welche für die Förderung der Schüler sehr wertvoll und wichtig sind. Nicht jeder Konzern verfolgt gleich verkäuferische und manipulierende Ziele. In vielen Unternehmen stellt sich mittlerweile auch der Gedanke ein, dass eine aufgeklärte, gesunde und kritische Generation vielleicht wertvoller ist, als eine gesteuerte und verblendete Jugend.

Über die Autoren
Die Recruiting Agentur Junges Herz beschäftigt sich unter anderem mit dem Thema Grundschulmarketing. Dabei hat sich die Agentur sehr strenge ethische und moralische Grundsätze auferlegt, nach denen die Agentur Kunden und Projekte selektiert.